Was ist Erotik?

Viele denken, dass die erotische Ausstrahlung in Sonderheit durch einen hohen Grad an Nacktheit eines menschlichen Körpers bestimmt wird. Aber durch das Tragen dieses Kimonos wird diese Auffassung eindeutig Lügen gestraft. Kaum ein Kleidungsstück wird durch seine Transparenz, seine Zartheit und Anschmiegsamkeit ein so hohes erotisches Niveau erzeugen, wie dieser Hauch aus Seide, der bei aller Durchsichtigkeit dennoch vieles verbirgt und der Phantasie eine umfassende Bühne bereitet. Wenn ein Kleidungsstück dementsprechend verhüllt, aber dem ästhetischen Empfinden und der Vorstellungskraft Raum bietet, handelt es sich bei diesem Kimono um das erotischste Tuch, das ich jemals getragen habe.
Am ehesten ist er wohl zu vergleichen mit dem Goldregen, den der Göttervater Zeus als Erscheinungsform gewählt hat, um sich sanft um Danaë zu legen. Dass jene dadurch zur Mutter des Helden Perseus wurde, sei nur am Rande erwähnt. Denn ob dieser Kimono eben diese  Wirkung haben wird, entzieht sich meiner Kenntnis.
Wie auch immer – es ist eine wahre Lust, sich in diese Seide zu hüllen. Sie schmeichelt der Haut, prickelt wie der Kuss eines geliebten Menschen, streichelt wie ein warmer Wind bei Sonnenaufgang am Meer und umgibt den Körper wie zu Stoff gewordene Musik. Wenn Eros als Personifikation des menschlichen Strebens nach dem Schönen gilt, dann steht spätestens mit diesem Kimono fest, dass jener griechische Gott die Seide erfunden haben muss.
 
Herzlichen Glückwunsch und vielen Dank für diesen „göttlichen“ Seidenmantel!
David Naumann-Etienne, EU




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